Erkrankungen der Welpen und Junghunde

Dr.med.vet.Herbert Meyer

Welpenerkrankungen  und  Verluste stellen für den Züchter eine problematische und sorgenvolle Situation dar.

In den letzten Jahren haben diese Erkrankungen nach Auskunft von Tierkliniken rasseunabhängig zugenommen. Während früher hauptsächlich infektiöse, insbesondere bakterielle Verluste um die Absatzzeit, d.h. um die 8.Lebenswoche, vorherrschend waren, wofür neben der besonderen Stresssituation auch die Abnahme der von der Mutter in den ersten Lebenstagen erworbenen Antikörper verantwortlich gemacht wurden, treten in den letzten Jahren Probleme zunehmend bei sehr jungen Welpen auf.

Die Erkrankungen der neugeborenen oder wenige Tage alter Welpen sind nicht nur ein Problem der Zuchten, sie stellen auch den Behandelnden vor diagnostische und therapeutische Probleme! Eine Reihe von Erkrankungen steht in engem Zusammenhang mit dem Fortpflanzungs- und Geburtsprozess  also mit dem Muttertier. Dabei ist eine Abgrenzung der ursächlichen Gründe nur schwierig zu treffen, da unterschiedliche Ursachen sehr ähnliche Krankheitsbilder hervorrufen können. Nahezu 50% aller Erkrankungen und Todesfälle in den ersten Lebenswochen sind aber infektiöser Natur. Nicht-infektiöse Erkrankungen sind hauptsächlich Atembeschwerden und allgemeine Lebensschwäche.

Atemdepression

Besonders bei Frühgeborenen ( unter 57 Tage Trächtigkeitsdauer) mit unzureichender Lungenreifung und Welpen nach Geburtsstörungen, Geburtsproblemen (zu große Frucht, zu enges Becken) auftretend. Dabei tritt nicht selten eine vorzeitige Lösung der Nachgeburt ein (u.a. nach mehrfacher Wehenhormon-Gabe!). Dadurch erfolgt - nach Aufbrauchen der O2-Reserve- der erste Atemzug noch im Geburtsgang und in dessen Folge dann Fruchtwasserabatmung und Erstickung. Wenn diese Welpen dann lebend geboren werden, setzt bei noch vorhandener Herzaktion die Atmung nur unzureichend ein. Die Welpen zeigen blasse, bläuliche Schleimhäute und Leblosigkeit. Ein Wiederbelebungsversuch sollte über mindestens 15 Minuten versucht werden. (Ausschütteln und entfernen des Schleimes, Schwenken des Welpen, Kaltwasserguss ins Genick, Reiben des Rückens, Sauerstoffduschen und Atemstimulantien (TA). Die kritische Überlebensphase dauert jedoch bis zur 36. Lebensstunde und die überlebenden Welpen sind oft infektanfälliger!

Hypothermie (Untertemperatur)

Hypothermie ist häufig Anzeichen von Erkrankungen, die mit Flüssigkeits- und Nahrungsmangel einhergehen. Sie tritt aber auch im Endstadium von Infektionen auf. Dabei muss allerdings auch die physiologische Hypothermie der Welpen berücksichtigt werden!. 24 Stunden nach der Geburt hat ein Welpe eine Körpertemperatur von durchschnittlich 36C. Erst in der 4.Lebenswoche wird die Körpertemperatur erwachsener Hunde erreicht. Eine echte Unterkühlung durch tiefe Umgebungstemperatur oder mangelhafte Fürsorge der Mutterhündin ist ausgesprochen selten. Fast alle Mutterhündinnen sortieren unterkühlte (< 34,4C) Welpen reflektorisch aus. Wenn durch unglückliche Umstände ein Welpe tatsächlich unterkühlt ist, muss er langsam aufgewärmt werden!

Hypoglykämie (Energiemangel)

Absinken des Blutzuckerspiegels infolge Nahrungsmangel ( große Würfe, Milchmangel, Gesäugeentzündung  oder anderer Grundkrankheiten). Hierbei muss die Ursache tierärztlich abgeklärt werden. Wichtige Faustregel für die Züchter: Verdoppelung des Geburtsgewichtes innerhalb von 8-10 Tagen.


 Toxisches Milchsyndrom

 Zwischen dem 3. -14. Lebenstag auftretend. Welpen zeigen Schreien, dicke Bäuche oder Durchfall. Die größten Welpen erkranken zuerst. Toxische Zerfallsprodukte aus der Gebärmutter infolge Rückbildungsverzögerung, leichte Uterusentzündung und toxische Stoffwechselprodukte der Mutterhündin, die in die Milch gelangen, sind hierbei die Ursache. Wichtig ist dann die Trennung der Welpen von der mütterlichen Milchquelle, Gabe von Elektrolytlösungen und künstliche Ernährung. Wie bei allen Erkrankungen der Welpen ist es wichtig, die Hündin mit beim Tierarzt vorzustellen!

Ernährungsbedingte (nicht infektiöse) Durchfälle
Ursachen sind dabei oft Ernährungsfehler (Milchzucker, falsche Fettsäuren wie Kuhmilchfett) und Überfütterung ( übersäuerung, gesteigerte Gallebildung). Energiezufuhr muss genau berechnet werden. Dabei ist der Übergang zu bakteriellen Durchfällen durchaus fließend.
Hämorrhagisches Syndrom

Hierbei kommt es zu Blutungsneigung, hauptsächlich zwischen dem 1. und 4.Lebenstag. Die Welpen verbluten aus Nase und Mund, ohne dass äußere Ein-wirkungen ersichtlich sind. Auch Blutansammlungen in der Unterhaut oder im Bauchraum sind möglich. Ursächlich spielt ein Mangel an Vitamin K bei der Mutter eine Rolle. Die Fütterung muss überprüft werden, da zu lange oder zu warme Lagerung den Vit.K-Gehalt vermindern! In diesem Zusammenhang ist auch noch die Gefahr der Vitamin  überversorgung zu erwähnen. Hauptsächlich Vitamin-D3- Überversorgung der Hündin führt bei den Welpen zu Erkrankungen. Hierbei sterben die Welpen am 3. Lebenstag plötzlich. Ursache ist eine starke Kalkablagerung (Kalzifizierung) von Gefäßen der Lunge und Nieren, die zur Funktionsunfähigkeit dieser Organe führen.

Neugeborenengelbsucht

Bei Blutgruppenunverträglichkeit zwischen Hündin und Rüden kann es nach Eindringen von einigen Blutkörperchen der Welpen in den m�üterlichen Kreislauf zu Antikörperbildung bei der Hündin kommen. Diese treten dann mit in der Milch auf und werden von den Welpen aufgenommen. Alle Welpen mit der ererbten väterlichen Blutgruppe erkranken dann innerhalb von 12 bis 16 Stunden nach Aufnahme der Muttermilch. Bei nachgewiesener Unverträglichkeit sollte diese Verpaarung nicht wiederholt werden.

BAKTERIELLE INFEKTIONEN

 Neben der bakteriellen Allgemeininfektion (Sepsis) können verschiedene Organe (Lunge, Darm, Haut u.a.) betroffen sein. Bei der bakteriologischen Untersuchung der Mutter zeigt sich das gleiche Erreger-Spektrum in der Milch oder im Scheidensekret wie bei den gestorbenen oder erkrankten Welpen. Die Mutter ist dabei aber ohne klinische Symptomatik. Das Erregerspektrum bei Organuntersuchung verendeter Welpen umfasst hauptsächlich Staph. aureus (intermedius), G-Streptokokken, häm. E.coli, Pasteurella spp. Therapie-Erfolge sind einerseits wegen des rasanten Verlaufes (Sepsis  Tod nach wenigen Stunden) andererseits durch bakterielle Resistenzen limitiert. Kompliziert wird die Therapie noch durch die für den Neugeborenenorganismus häufig toxischen Arzneimittel.     Die in der Humanneonatalogie beschriebenen wellenförmigen Wechsel verschiedener bakterieller Erreger beim menschlichen Säugling über Zeiträume von 5-7 Jahren, tritt auch bei Hunden, wenn auch in kürzeren Zeiträumen (geringere Generationsintervalle) auf. Auch treten Resistenzentwicklungen analog zur Humanmedizin auf. In größeren Zwingern kann sich ein, dem Krankenhausmilieu vergleichbarer Hospitalismus entwickeln. Die Hündinnen aktivieren Abwehrmechanismen, die sie auf die Welpen übertragen (diaplazentar, kolostrale Immunität). Unter welchen Bedingungen welche Hündin dazu fähig ist, bleibt allerdings unklar. Auch die Frage der Übertragung bakterieller Erreger von Mensch  Hündin/ Welpe und umgekehrt, muss noch geklärt werden.

Virale Infektionen


Wichtigste virale Erkrankung ist die Herpes-Virus-Infektion, die beim Welpen bis zum 18. Lebenstag eine Rolle spielt ( Todesfälle in den ersten drei Lebenswochen, nicht mehr danach). Alle anderen Viruserkrankungen, gegen die in aller Regel geimpft wird, sind in den letzten Jahren in den Hintergrund getreten.

Parasitäre Infektionen


Neben den Magen- und Darmwürmern spielen auch noch Einzeller eine gewisse Rolle. Ab dem 10. Lebenstag sollte eine 1.Wurmbehandlung durchgeführt werden, ab der 3. Lebenswoche muss sie erfolgt sein. Die Welpen sollten dann im Abstand von 3 Wochen nochmals entwurmt werden. Protozoeninfektionen treten in letzter Zeit etwas häufiger auf. Nach der diagnostischen Untersuchung und Feststellung der Protozoen (Giardia)  Infektion kann mit entsprechenden Medikamenten behandelt werden.

 

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